Ohne die beiden Veredelungsverfahren Okulieren und Pfropfen würde es wohl kaum diese Vielfalt an Obstsorten oder Rosenarten geben. Beide Veredelungsverfahren sind auch für den Hobbygärtner leicht erlernbar.
Okulieren ist die gebräuchliche Vermehrungsart
Bei Rosen wird die einjährige Unterlage der Hundsrose im Spätherbst gesetzt, diese kann man dann im folgenden Juli bis September veredeln. Das Edelreis muss ebenfalls einjährig sein und bereits Knospen angesetzt haben. Man schneidet die Blätter ab, die Stiele sollten bleiben. Mit einem scharfen Okuliermesser kann jedes Auge mit einem 2 - 3 cm langen und ovalen „Schild" dem Blattstielansatz und einem dünnen Holzspan herausgeschnitten werden. Das Holz wird von der Rinde abgelöst und das Auge in Bodenhöhe auf die Unterlage aufgepflanzt. Hier schneidet man die Rinde T-förmig ein und hebt sie mit der Messerklinge ab, um dann das am Blattstiel gehaltene Auge unter die Rinde der Unterlage zu schieben. Zum festbinden eignet sich Raffiabast. Im darauffolgenden Frühjahr wird die Unterlage knapp über der Okulationsstelle abgeschnitten. Bei Zier- und Obstbäumen verfährt man in der selbigen Weise wie bei Rosen, allerdings mit dem Unterschied, dass das Auge 15 - 20 cm über dem Boden eingesetzt wird. Eine weitere Veredelungsart bei Zier- und Obstbäumen ist die Kopulation, das Schäften mit sogenannten Gegenzungen. Die Unterlage und das Edelreis erhalten je einen von oben nach unten führenden Schrägschnitt von etwa 5 cm Länge sowie einen von oben nach unten führenden Schnitt um die Zungen zu bekommen. Man schiebt die Zunge des Edelreises in die Gegenzunge der Unterlage und umwickelt die Stelle mit Raffiabast.
Beim Veredeln durch Pfropfen gibt es ebenfalls verschiedene Arten.
Das „in den Spalt Pfropfen" ist die einfachere Variante. Man schneidet einen Seitenast der Unterlage bis auf wenige Zentimeter bis zum Hauptstamm zurück und sägt den Stummel ein. Man spreizt den sägeschnitt mit einem Keil auseinander und setzt ein bis zwei Edelreiser ein. Nun wird die Stelle mit Bast umwickelt und mit Wachs bestrichen. Ähnlich ist das Pfropfen hinter der Rinde, hier wird das Edelreis mit einem Rindenschnitt eingeführt. Man kann die Veredelung bei einem heranwachsenden Bäumchen bereits in Kronenhöhe durchführen. Man pfropft Edelreiser die etwa neun Augen haben gut verteilt in Kronenhöhe ein.